1966–2026: 60 Jahre Großgemeinde Feldkirchen – Ein Rückblick zwischen Aufbruch und Identität
Am 1. August 1966 begann ein neues Kapitel in der Geschichte von Feldkirchen: Die Bildung der Großgemeinde Feldkirchen. Sechs Jahrzehnte später – im Jahr 2026 – ist diese Verwaltungsstruktur längst Vergangenheit. Feldkirchen ist heute ein Stadtteil von Neuwied. Und doch wirkt die damalige Entscheidung bis in die Gegenwart nach.
Dieser Beitrag blickt zurück auf die Entstehung, die kurze Phase der Selbstständigkeit als Großgemeinde und die langfristigen Auswirkungen auf Identität, Infrastruktur und Gemeinschaftsleben.
Der Weg zur Großgemeinde (1966)
Die 1960er-Jahre waren geprägt von tiefgreifenden kommunalen Reformen in Rheinland-Pfalz. Kleine Gemeinden standen vor großen Herausforderungen:
- steigende Anforderungen an Infrastruktur
- wachsender Verwaltungsaufwand
- Bedarf an moderner Schul- und Verkehrsplanung
- finanzielle Belastungen für kleine Kommunen
Die Antwort lautete vielerorts: Zusammenschluss.
Am 1. August 1966 wurde die Großgemeinde Feldkirchen gegründet. Mehrere bis dahin eigenständige Orte wurden unter einer gemeinsamen Verwaltung vereint. Ziel war es, Kräfte zu bündeln und die Zukunftsfähigkeit der Region zu sichern.
Zusammengeschlossene Orte
Zur Großgemeinde gehörten unter anderem:
- Feldkirchen (Kernort)
- Gönnersdorf
- Hüllenberg
- Rockenfeld
- Wollendorf
Für viele Einwohner bedeutete dies einen tiefen Einschnitt: Die vertraute kommunale Eigenständigkeit wich einer neuen, größeren Einheit.
Zwischen Fortschritt und Skepsis
Die Bildung der Großgemeinde war kein konfliktfreier Prozess. Während Befürworter die Chancen betonten, äußerten Kritiker Sorgen um den Verlust lokaler Identität.
Argumente für den Zusammenschluss:
- effizientere Verwaltung
- bessere Infrastrukturplanung
- stärkere Finanzkraft
- Ausbau von Schulen und Verkehrswegen
Bedenken der Bevölkerung:
- Verlust politischer Mitsprache vor Ort
- Angst vor Benachteiligung kleiner Ortsteile
- emotionale Bindung an die eigene Gemeinde
Diese Spannungen spiegeln ein Muster wider, das viele Gebietsreformen jener Zeit begleitete.
Nur ein Zwischenschritt: Eingemeindung nach Neuwied
Die Großgemeinde Feldkirchen bestand nur wenige Jahre. Im Zuge der rheinland-pfälzischen Gebietsreform wurde sie 1970 in die Stadt Neuwied eingegliedert.
Damit endete die kommunale Eigenständigkeit endgültig. Feldkirchen wurde zum Stadtteil – mit mehreren Ortsbezirken und eigener lokaler Prägung, aber ohne eigene Verwaltungshoheit.
Rückblickend erscheint die Großgemeinde als Übergangsmodell:
- Vorbereitung auf größere Verwaltungseinheiten
- organisatorische Bündelung kleiner Gemeinden
- Anpassung an regionale Entwicklungspläne
Feldkirchen heute: Stadtteil mit eigener Seele
Sechzig Jahre nach der Gründung der Großgemeinde ist Feldkirchen fest in Neuwied integriert. Dennoch hat sich eine starke lokale Identität bewahrt.
Was Feldkirchen bis heute prägt:
- lebendiges Vereinswesen
- gewachsene Nachbarschaften
- kirchliche und kulturelle Traditionen
- ein starkes Gemeinschaftsgefühl
Viele Bewohner identifizieren sich bewusst sowohl mit ihrem Stadtteil als auch mit der Gesamtstadt.
60 Jahre später: Was bleibt?
Das Jubiläum 1966–2026 ist mehr als eine Erinnerung an eine Verwaltungsstruktur. Es lädt dazu ein, über Wandel und Kontinuität nachzudenken:
- Wie verändern politische Entscheidungen den Alltag vor Ort?
- Was bleibt von kommunaler Eigenständigkeit im kollektiven Gedächtnis?
- Wie gelingt es, Tradition und moderne Stadtentwicklung zu verbinden?
Die Geschichte der Großgemeinde Feldkirchen zeigt: Verwaltungsgrenzen mögen sich ändern – Gemeinschaft entsteht aus den Menschen, die einen Ort leben und gestalten.
Fazit
Die Großgemeinde Feldkirchen war ein Produkt ihrer Zeit: ein Versuch, kleine Gemeinden zukunftsfähig zu machen. Auch wenn sie nur wenige Jahre bestand, legte sie den Grundstein für die heutige Struktur als Stadtteil von Neuwied.
Sechzig Jahre nach ihrer Gründung bleibt vor allem eines: das Bewusstsein für eine gemeinsame Geschichte, die Feldkirchen geprägt hat und weiterhin prägt.
Bild: H.J. Engler & E. Walter




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