Adventswasser – Erinnerungen eines Schifferkindes
Als Schifferkind war für mich selbst die Vorweihnachtszeit untrennbar mit der Welt der Schifffahrt verbunden.
Bei uns kam der Nikolaus nicht mit dem Schlitten – er kam in einem Boot aufs Schiff und brachte Leckereien. So war das eben.

Damit war allerdings Schluss, als meine Eltern 1963 nach Wollendorf zogen. Damit ich ohne Schifferheim zur Schule gehen konnte, verließen wir das Leben auf dem Wasser – doch die Sprache und die Gepflogenheiten der Schifffahrt zogen mit uns ins neue Zuhause ein.
So war es völlig normal, dass in der Adventszeit vom Adventswasser die Rede war. In Fahr liefen die Keller voll, die B42 wurde in Abschnitten gesperrt, und ich stand fasziniert am Deich, der Neuwied seit 1932 vor dem Hochwasser schützte. Herr Krups, damals Bürgermeister, war klug – und er hatte das Wohl seiner Stadt stets im Blick.
Mein Vater war in solchen Zeiten immer unterwegs. Auf unseren Binnengewässern musste er sich mit dem Hochwasser auseinandersetzen.
Bergwärts – also Richtung Quelle – ging die Fahrt schwerfällig: Viele zusätzliche Kubikmeter Wasser mussten zur Seite geschoben werden. Talwärts hingegen schoss das Boot nahezu dahin, und er musste sehr vorsichtig fahren. Die hohe Bugwelle, die durch die schnelle Fahrt entstand, konnte die Uferbefestigungen beschädigen. Die Wasserschutzpolizei kannte ihre Pappenheimer – kleine Mahnungen wurden gern verteilt.
Rund um Weihnachten kam dann meist noch das Weihnachtstauwetter. Eine meteorologische Eigenheit, bei der der erste Schnee rasch wieder wegtaut, während das Schmelzwasser wegen des gefrorenen Bodens nicht versickern kann.
Kaum waren die Keller der tiefer gelegenen Gemeinden wieder trocken, kam das Wasser zurück.
Die armen Wasseranrainer hatten wirklich alle Hände voll zu tun. Ich glaube kaum, dass jemand damals über Gewichtszunahme nachdachte.
Wir jedoch – die wir nicht mit den Füßen im Hochwasser stehen – haben in der Adventszeit eher das Problem, dass der Hosenbund wegen Weihnachtsmärkten und süßen Verlockungen enger wird. Und genau dafür hätte ich ein Rezept: Weihnachtswasser.
Antioxidantienreich, voller Vitamin C und gut für den Blutzucker.
Rezept für Weihnachtswasser:
- 1 Liter heißes Wasser
- 2 saure Äpfel, klein geschnitten
- Saft einer Zitrone
- 1 Zimtstange
Die Äpfel mit dem Zitronensaft übergießen, heißes Wasser dazugeben, die Zimtstange hinein – und kaltstellen.
Es gibt im Leben noch viele Wasser, Gewässer und Wässerlein. Aber mich kann so schnell kein Wässerchen trüben.
Und für heute mache ich erst einmal Schluss.
— geschrieben von …
Heike Kesel





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