Worte, die bewegen

Worte, die bewegen 365 Tage sind eigentlich nicht genug. Und doch überrascht uns der Jahreswechsel jedes Mal aufs Neue. Kaum ist Weihnachten vorbei, steht es plötzlich da: das neue Jahr. Nach gutem Essen, vermutlich reichlich Böllergeknalle und der unvermeidlichen Gulaschsuppe schreiben wir auf einmal 2026 – und brauchen ein paar Tage, um uns daran zu…


Worte, die bewegen

365 Tage sind eigentlich nicht genug. Und doch überrascht uns der Jahreswechsel jedes Mal aufs Neue. Kaum ist Weihnachten vorbei, steht es plötzlich da: das neue Jahr. Nach gutem Essen, vermutlich reichlich Böllergeknalle und der unvermeidlichen Gulaschsuppe schreiben wir auf einmal 2026 – und brauchen ein paar Tage, um uns daran zu gewöhnen.

In diesen Momenten habe ich angefangen, darüber nachzudenken, was 2025 für mich besonders gemacht hat. Neben Deutschland und dem ganz eigenen Abenteuer Feldkirchen waren es vor allem Worte. Worte, die geblieben sind. Worte, die begleitet haben.

Da wären zunächst „Immigration“, „Emigration“ und „Repatriation“. Wer immigriert, kommt ins Land. Wer emigriert, verlässt es. Und wer zurückkehrt ins frühere Heimatland, repatriiert. In meinem Fall bedeutete das: Rückkehr nach Feldkirchen. Ein Begriff, den ich erstaunlich oft erklären durfte – und der mich dadurch das ganze Jahr begleitet hat.

Dann „Autokraten“. Ein Wort, das leider allgegenwärtig ist. Namen muss man nicht nennen, wir kennen sie alle. Sie gehören inzwischen zum täglichen Grundrauschen, fast so selbstverständlich wie Toilettenpapier. Traurig, aber wahr.

Mein persönlicher Favorit des sprachlichen Wahnsinns: „Sondervermögen“. Klingt gut, oder? Bedeutet aber keineswegs, dass irgendwo plötzlich Geld aufgetaucht wäre. Es heißt schlicht, dass der Staat sich erlaubt, mehr Schulden zu machen. Bei uns Bürgern würde man es einen zusätzlichen Kredit nennen – inklusive schlechtem Gewissen. Schulden bleiben Schulden, egal wie elegant man sie verpackt.

Ein weiteres Wort: „Abgrenzen“. Wer sich neu aufstellt, muss sich abgrenzen. Interessant ist nur, wie unterschiedlich das bewertet wird. Ein Mann, der sich abgrenzt, gilt als stark und zielgerichtet. Eine Frau hingegen schnell als schwierig, unbedacht oder „unpassend im Ton“. Unschön, aber Realität. Am Ende bleibt: Abgrenzen dürfen – und müssen – wir alle.

Dann gibt es zum Glück auch die schönen Worte. Allen voran „Glückseligkeit“. Diese Momente, in denen nur das Jetzt zählt. Wenn der Pudding schmeckt wie bei Mama. Wenn man auf einem Gipfel steht. Wenn im Ausweis „Neuwied-Feldkirchen“ steht. Wenn es ganz still ist. Wenn die erste Schneeflocke auf der Zunge schmilzt. Wenn man liebt und geliebt wird. Wenn Alltägliches plötzlich besonders wird. Genau das.

Und schließlich „Staunen“. Ein Geschenk eines besonderen Menschen, um Musik und Ausdruck Tiefe zu verleihen. Staunen heißt, sich zu erlauben, verletzlich zu sein – und genau darin stark zu werden. Wer staunen kann und es zeigt, gewinnt Ausdruckskraft. Das Kind in mir liebt es, staunend und ein wenig rücksichtslos durch die Welt zu gehen. Auch – oder gerade – hier in Feldkirchen.

Ich bin gespannt, welche neuen Worte mir im kommenden Jahr hier in Neuwied-Feldkirchen begegnen werden. Ich werde sie sammeln. Und mich an meiner kleinen Kollektion erfreuen.

Happy New Year