Ganztagsschule in Feldkirchen – Chance, Herausforderung und offene Fragen
Mit dem bundesweiten Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung ab 2026 rückt die Zukunft der Grundschulen auch in Neuwied zunehmend in den Fokus. Für die Stadt und ihre Stadtteile stellt sich die Frage, wie dieser Anspruch konkret umgesetzt werden kann – und welche Schulen dafür realistische Perspektiven haben.
Ein Stadtteil, der dabei besonders betrachtet werden sollte, ist Feldkirchen.
Feldkirchen im Fokus
Feldkirchen ist ein familiengeprägter Stadtteil, in dem die Grundschule Feldkirchen eine zentrale Rolle für Bildung und Betreuung spielt. Bereits heute besteht ein verlässliches Betreuungsangebot, das von vielen Familien genutzt wird. Gleichzeitig stellt sich die Frage, ob und unter welchen Voraussetzungen ein Ganztagsbetrieb künftig sinnvoll und umsetzbar wäre.
Ein Gespräch mit dem Schulleiter der Grundschule Feldkirchen, Herrn Werner, sowie eine Stellungnahme der Stadt Neuwied geben hierzu einen differenzierten Einblick.
Ganztagsschule aus Sicht der Schule: Voraussetzungen und Einschätzungen
Grundsätzlich hält Schulleiter Werner die Einführung einer Ganztagsschule in Feldkirchen für denkbar, knüpft sie jedoch an klare Bedingungen. Eine zentrale Voraussetzung ist die Nachfrage:
Ein Ganztagsangebot kommt nach den geltenden Vorgaben nur zustande, wenn sich mindestens 36 Kinder verbindlich anmelden.
Genau hier sieht die Schulleitung derzeit noch offene Fragen. Nach Einschätzung von Herrn Werner bevorzugt ein Großteil der Eltern aktuell weiterhin eine Betreuung von 7 bis 14 Uhr. Dieses Modell entspricht der bestehenden Betreuenden Grundschule und deckt für viele Familien den gegenwärtigen Bedarf ab. Ob sich ausreichend Eltern für einen verpflichtenden Ganztagsbetrieb entscheiden würden, lässt sich zum jetzigen Zeitpunkt nicht verlässlich abschätzen.
Gleichzeitig betont der Schulleiter die pädagogischen Chancen eines Ganztagsangebots. Eine gut ausgestattete Ganztagsschule ermögliche mehr individuelle Förderung, zusätzliche Lernzeiten sowie Raum für soziale Entwicklung und gemeinschaftliches Arbeiten. Aus schulischer Sicht könne der Ganztag eine zusätzliche Chance für die Schülerinnen und Schüler darstellen – vorausgesetzt, die Qualität stimmt.
Räumliche Situation und personelle Fragen
Die räumlichen Voraussetzungen an der Grundschule Feldkirchen bewertet die Schulleitung als günstig. Neben ausreichend Platz verfügt die Schule unter anderem über eine eigene Küche sowie einen Werkraum, was vielfältige Angebote im Ganztagsbetrieb ermöglichen würde.
Entscheidend sei jedoch weniger die bauliche Situation als vielmehr die Frage nach Personal und Finanzierung. Ohne zusätzliches qualifiziertes Personal und eine verlässliche Finanzierung sei ein qualitativ hochwertiger Ganztagsbetrieb nicht umsetzbar.
Auch im Kollegium wird das Thema differenziert betrachtet. Die Lehrkräfte zeigen sich nach Angaben von Herrn Werner eher zurückhaltend, würden eine Entscheidung für den Ganztag jedoch mittragen, sofern die Rahmenbedingungen klar und verlässlich geregelt sind.
Sicht der Stadt Neuwied: Planungsstand und Einordnung
Auf Nachfrage hat die Stadtverwaltung Neuwied den aktuellen Stand der Planungen zur Ganztagsschule in Feldkirchen erläutert und mehrere Punkte präzisiert.
Demnach plant die Stadt die Einrichtung von Ganztagsschulen in Angebotsform an zusätzlich drei Grundschulen im Stadtgebiet. Für die Grundschule Feldkirchen ist derzeit das Schuljahr 2027/28 als Zieltermin vorgesehen. Voraussetzung hierfür sind entsprechende Beschlüsse der städtischen Gremien sowie die Genehmigung durch das Bildungsministerium Rheinland-Pfalz.
Eine Bestandsanalyse des Raumangebots an der Grundschule Feldkirchen liegt bereits vor. Nach der aktuellen Schulbaurichtlinie ergibt sich zusätzlicher Flächenbedarf, der grundsätzlich umgesetzt werden soll. Konkrete bauliche Planungen sind jedoch an die sogenannte Planungsphase 0 gebunden. Diese setzt ein pädagogisches Konzept der Schule voraus, das wiederum erst nach Bewilligung der Ganztagsschule durch das Land erstellt werden kann. Ein solches Konzept liegt derzeit noch nicht vor.
Die Stadt betont ausdrücklich, dass Ganztagsschule und Betreuende Grundschule auch künftig parallel bestehen sollen. Eltern sollen weiterhin eine Wahlmöglichkeit haben. Lediglich die aktuell sehr hohe Zahl an Plätzen in der Betreuenden Grundschule könnte perspektivisch angepasst werden.
Zur Einbindung von Eltern und Schule verweist die Stadt auf eine Informationsveranstaltung im Dezember, auf fortlaufende Pressearbeit sowie auf weitere Elternabende. Rückmeldungen aus der bisherigen Information seien bislang nicht eingegangen.
Die Planungen für Feldkirchen sind Teil einer langfristig angelegten Strategie der Stadt Neuwied, mit der ganztägige Bildungsangebote schrittweise ausgebaut werden sollen.
Fazit: Potenzial mit klaren Voraussetzungen
Die Einführung einer Ganztagsschule in Feldkirchen ist kein kurzfristiges Vorhaben, sondern ein Projekt mit klar definierten Voraussetzungen. Während Schule und Stadt grundsätzlich Entwicklungspotenzial sehen, hängen konkrete Schritte von Nachfrage, Genehmigungen, Finanzierung und personeller Ausstattung ab.
Feldkirchen steht damit exemplarisch für viele Stadtteile: Ganztagsschule kann eine große Chance sein – wenn sie realistisch geplant, transparent kommuniziert und gemeinsam mit Schule, Eltern und Schulträger umgesetzt wird.
Dieser Beitrag versteht sich als Sachstandsaufnahme und soll zur weiteren Information und Einordnung beitragen.
Hinweis der Redaktion
treffpunkt-feldkirchen.de begleitet kommunale Themen redaktionell. Entscheidungen und formelle Beteiligungsverfahren liegen bei den zuständigen Gremien und der Stadtverwaltung.
Hinweis zur räumlichen Situation
Ergänzend weist die Schulleitung darauf hin, dass die räumliche Situation im Hinblick auf einen möglichen Ganztagsbetrieb differenziert zu betrachten ist. Entgegen einer früheren Darstellung verfügt die Grundschule Feldkirchen derzeit nicht über eine eigene Küche. Der frühere Werkraum wird aktuell von der Betreuenden Grundschule genutzt und steht für andere Zwecke nicht zur Verfügung.
Eine funktionierende Küche befindet sich hingegen an der Brüder-Grimm-Schule. Eine mögliche Mitbenutzung wird grundsätzlich als wünschenswert angesehen, die konkrete Art und Weise einer solchen Kooperation ist jedoch noch nicht geklärt. (Angaben nach Schulleiter Werner)




Schreibe einen Kommentar