Zitate aus der Chronik der Feldkirche
Neuwied-Feldkirchen – Ortsteil Wollendorf
Die Chronik der Feldkirche
Von der Erbauung der Kirche Feldkirchen bis zur Einführung der Reformation in Wied
(ca. 1125–1546)
Die im Jahre 1125 gegründete Benediktinerabtei Rommersdorf besaß bereits früh Grundgüter bei Feldkirchen. Ebenso hatte das am 1. August 1129 geweihte Marienkloster St. Thomas Besitzungen bei Fahr und Feldkirchen. Dieses Kloster errichtete die Kirche in Feldkirchen.
1243 schenkte Luckard, die Witwe des Grafen Lothar von Wied, der Abtei Rommersdorf – in deren Kirche beide begraben sind – zusätzlich zu dem Vermächtnis ihres Gemahls von sechs Maltern Kornzins zu Wollendorf (Wolfendorf) noch eine Mark Zins aus ihren Gütern zu Haselbach.
1300 stiftete Graf Albert von Hammerstein, Chorbischof zu Köln und Pfarrer zu Feldkirchen, in der Feldkirche einen St.-Georgs-Altar, von dem jedoch bereits 1846 keine Spur mehr vorhanden war. Er bestimmte, dass ein jeweiliger Burggraf zu Hammerstein – mit einem goldenen Helm und drei roten Hämmern im Wappen – Patron dieses Altars sein solle. Ob Feldkirchen damals zum Gebiet der Burggrafschaft Hammerstein gehörte oder ob Albert die Pfarrei lediglich als Pfründe vom Erzstift Trier innehatte, bleibt ungeklärt.
In derselben Zeit wies Burggraf Ludwig I. von Hammerstein seiner Gemahlin Katharina anstelle der Güter zu Engers andere Güter zu Gönnersdorf (Gindersdorp) als Wittum zu.
1311 heiratete Burggraf Ludwig II. von Hammerstein Isalde, die Tochter des Grafen Johann von Isenburg und Herrn zu Braunsberg. Bald darauf entbrannte ein Streit mit Johann über das Patronatsrecht der Kirche zu Feldkirchen, der 1316 durch einen Schiedsspruch zugunsten Ludwigs entschieden wurde.
1328 bestätigten Friedrich von Hammerstein, Propst zu Köln, und Burggraf Ludwig von Hammerstein der Abtei Altenberg eine Weinrente von eineinhalb Ohm zu Fahr, gelegen „an der Überfahrt, welche Var heißt, nahe bei Andernach, in der Pfarrei Feldkirchen“.
1337 verlieh Graf Wilhelm von Braunschweig die Kirche zu Feldkirchen dem Burggrafen Gerhard von Hammerstein zu Lehen.
1340 geriet Graf Wilhelm I. zu Wied mit Graf Johann II. von Sain in Streit über Rechte im Dorf Irlich, das bis zur Reformation zur Feldkirche eingepfarrt war. Teile dieses Konflikts wurden 1364 beigelegt.
1374 erlosch die Burggrafschaft Hammerstein. Kaiser Karl IV. übertrug sie dem Erzstift Trier. Auch ein Hammersteiner Hof in Irlich fiel an Trier und wurde Keim weiterer Auseinandersetzungen mit Wied.
1387 verkauften Ludwig, Burggraf von Hammerstein, und seine Gemahlin Irmgard ihren Hof in Gönnersdorf an Johann Witzelnbach.
1438 lebte der Streit um Irlich zwischen Dietrich von Sain und Wilhelm II. zu Wied erneut auf und wiederholte sich in den Jahren 1482, 1503, 1538 und 1550.
1452 kam es zwischen Graf Wilhelm II. zu Wied und dem Erzstift Trier zum Konflikt über die Belehnung von Feldkirchen. Man einigte sich darauf, Feldkirchen als Wechsellehen zu behandeln.
1512 wurde Graf Friedrich von Wied, Bruder des späteren Kurfürsten Hermann von Köln, Dekan von St. Gereon in Köln. Zuvor war er Pfarrer in Heddesdorf (1499) und in Feldkirchen gewesen; 1523 wurde er Bischof von Münster.
1542 stiftete er der Kreuzkirche Gelder zur Unterstützung der Armen in den Kirchspielen Feldkirchen, Heddesdorf und Niederbieber.
1544 vermachte er der Kirche Feldkirchen unter anderem einen Weinzehnten zu Fahr zur Unterhaltung eines evangelischen Geistlichen.
1545 zog der kaiserliche Oberst Friedrich von Reiffenberg mit seinem Kriegsvolk aus der Gegend ab. Die Schiffer von Fahr setzten die Truppen bei Langendorf – an dessen Stelle später die Stadt Neuwied entstand – über den Rhein.
Von der Einführung der Reformation bis zur Zeit des Dreißigjährigen Krieges
(1546–1648)
1546, im Todesjahr Martin Luthers, wurde die Einführung der Reformation im Wiedischen vollendet. Feldkirchen wurde damit endgültig von St. Thomas unabhängig. Das Nonnenhaus zu Rockenfeld sowie der Hof Grenzelberg gingen ein.
1556 ließ Graf Johann IV. zu Wied am 29. Januar eine Kirchenvisitation in Feldkirchen durchführen.
1558 wurde bei Irlich ein Galgen errichtet. Eine Urkunde regelte detailliert die Pflichten der umliegenden Orte – darunter Hüllenberg, Wollendorf, Gönnersdorf, Fahr und Rodenbach – zur Bereitstellung von Holz, Werkzeugen und Unterhalt des Gerichts.
1560 führte Graf Johann IV. die Reformation auch in Irlich ein und ordnete dort einen eigenen evangelischen Schullehrer an.
1565 erwarb ein gewisser Mendel aus Schoben die Fischer- und Fährhütte in Fahr, das älteste Haus des Ortes. An ihrer Stelle entstand 1584 ein Wohnhaus, das noch 1846 im Besitz der Familie war.
1573 gerieten mehrere Personen aus Irlich, Fahr und Gönnersdorf in den Verdacht, Wiedertäufer zu sein. Auf Befehl des Grafen wurden sie des Landes verwiesen.
1581 erhielt Graf Wilhelm IV. bei der Teilung der wiedischen Besitzungen das Personat Feldkirchen.
1589 ließ Graf Hermann I. zu Wied die große Glocke der Feldkirche gießen, die bis heute erhalten ist. Zugleich wurde die Kirchspielschule verbessert.
Während des Dreißigjährigen Krieges (1618–1648) litt das Kirchspiel Feldkirchen schwer unter Einquartierungen, Plünderungen, Seuchen und religiösen Zwangsmaßnahmen. Mehrfach versuchte das Erzstift Trier, in Irlich die katholische Religion mit Gewalt durchzusetzen. Diese Maßnahmen wurden zeitweise durch das Eingreifen fremder Truppen wieder aufgehoben.
Zwischen 1633 und 1642 durchzogen kaiserliche, schwedische, französische und spanische Truppen die Grafschaft Wied. Hunger, Not und sittlicher Verfall prägten diese Jahre.
1643 erließ Graf Friedrich zu Wied scharfe Anordnungen gegen die zunehmende Sittenlosigkeit, auch im Kirchspiel Feldkirchen. Zugleich bekräftigte er die Zugehörigkeit Irlichs zur Mutterkirche Feldkirchen.
1645 und 1646 wurden wiedische Untertanen zu Festungsarbeiten auf Ehrenbreitstein und Hammerstein gezwungen. Die Besatzung plünderte mehrfach Hüllenberg, Gönnersdorf und Wollendorf; Fahr und Rodenbach richteten auf eigene Kosten eine Schutzwache ein.
Quellenhinweis:
Diese Darstellung folgt in Inhalt und Chronologie der historischen Feldkirchener Chronik (19. Jahrhundert), sprachlich behutsam modernisiert und für die Nutzung auf treffpunkt-feldkirchen.de redaktionell aufbereitet.
Diese modernisierte Fassung basiert auf der historischen Feldkirchener Chronik und dient der webbasierten Darstellung auf treffpunkt-feldkirchen.de.
