Feldkirchens Köpfe

Horst Dieter „Hey“ Schneider – einer, der Spuren hinterlassen hat
Es gibt Menschen, die so selbstverständlich zu einem Ort gehören, dass man erst beim Abschied wahrnimmt, an wie vielen Stellen sie ihre Spuren hinterlassen haben. Horst-Dieter „Hey“ Schneider war ein solcher Mensch in Feldkirchen.
Bei seiner Beisetzung wurde mir das noch einmal besonders bewusst.
Zahlreiche Freunde und Wegbegleiter waren gekommen. Menschen aus der Kirchengemeinde, alte Bekannte – und natürlich Pfadfinder seines Stammes „Franz von Sickingen“.
Pfarrer Martin Lenz Taurat fand in seiner Trauerrede die passenden Worte. In seiner gewohnt einfühlsamen Art zeichnete er das Leben von Hey Schneider nach und erinnerte an einen Menschen, dessen Leben über viele Jahrzehnte mit Feldkirchen, seiner Kirchengemeinde und ganz besonders mit den Pfadfindern verbunden war.
Doch dazu später noch einmal.
Für viele war er einfach „Hey“
Horst-Dieter Schneider wurde am 10. November 1942 geboren. Am 6. Mai 2026 starb er im Alter von 83 Jahren.
Wer ihn in Feldkirchen kannte, sprach allerdings wohl eher selten von Horst-Dieter Schneider.
Er war einfach „Hey“.

Seine Verbindung zur Feldkirche begann schon früh. Hier wurde er getauft und konfirmiert. Später übernahm er selbst Verantwortung für seine Kirchengemeinde – unter anderem als Presbyter, Kirchmeister und Synodaler.
Eine besondere Leidenschaft begleitete ihn jedoch fast sein ganzes Leben: die Pfadfinderei.
Die Pfadfinder – Leidenschaft und Lebenswerk
Die Pfadfinderarbeit in Feldkirchen reicht bis in die 1950er-Jahre zurück. Hey Schneider gehörte zu den Gründungsmitgliedern des Pfadfinderstammes „Franz von Sickingen“ und war über viele Jahre dessen Stammesleiter.
Im Nachruf der Kirchengemeinde wird die Bedeutung dieser Arbeit für ihn mit wenigen Worten auf den Punkt gebracht:
Die Pfadfinderei war seine Leidenschaft und sein Lebenswerk.
Was das tatsächlich bedeutet, lässt sich mit Jahreszahlen und Funktionen kaum beschreiben.
Wer über Jahrzehnte Pfadfinderarbeit leistet, organisiert nicht nur Gruppenstunden, Fahrten oder Zeltlager. Er begleitet Kinder und Jugendliche ein Stück ihres Lebens. Gemeinschaft, Verantwortung, Selbstständigkeit, Naturverbundenheit und das Einstehen füreinander gehören zu den Erfahrungen, die dabei weitergegeben werden.

Die Pfadies 1972 anlässlich einer Seniorenveranstalltung, Hey zweite Reihe rechts aussen.
Und irgendwann erlebt man vielleicht, dass aus den Kindern von damals Erwachsene geworden sind, die selbst Verantwortung übernehmen und etwas an die nächste Generation weitergeben.
Dass es den Stamm „Franz von Sickingen“ heute noch gibt und weiterhin Kinder und Jugendliche in Feldkirchen Pfadfinder sein können, gehört deshalb wohl zu den schönsten Spuren, die Hey hinterlassen hat.
Seine Feldkirche
Neben den Pfadfindern gab es einen zweiten Ort, der sich wie ein roter Faden durch sein Leben zog: die Feldkirche.
Hier war Hey nicht nur Gemeindemitglied. Er übernahm Verantwortung und kannte die Geschichte dieser besonderen Kirche.
Ganz besonders lagen ihm die Glasfenster von Georg Meistermann am Herzen.
Wer die Feldkirche betritt, sieht ihre Farben und Formen. Doch Kunstwerke erzählen ihre Geschichte nicht immer von selbst.
Hey gehörte zu den Menschen, die diese Geschichte weitererzählten.
Bei seinen Führungen brachte er Besuchern die Meistermann-Fenster näher. Er erzählte von ihrer Entstehung und von der besonderen Verbindung zwischen dem damaligen Pfarrer Karl Ernst Keller und dem Künstler Georg Meistermann.
Noch 2023 wird Horst Schneider in einem Bericht über eine Führung durch die Feldkirche als ein „Kind“ der Kirchengemeinde beschrieben – dort getauft und konfirmiert und später als Presbyter und Kirchmeister selbst an der Gestaltung des Gemeindelebens beteiligt.
Seine Führungen sind über viele Jahre dokumentiert. Bereits 2016 führte er beispielsweise am Tag des offenen Denkmals durch die Feldkirche mit dem ausdrücklichen Schwerpunkt „Meistermann-Fenster“. Auch 2017 erläuterte er Besuchern die Geschichte der Kirche und die Entstehung der Verbindung zwischen Pfarrer Keller und Meistermann.
Erläuterungen Meistermann-Fenster
Horst Schneider erläutert die Geschichte der Meistermann-Fenster und Hintergründe zu den Vereinbarungen von Pfarrer Keller mit Georg Meistermann. Hier können Sie das Video anschauen.
Er war damit nicht nur jemand, der Wissen besaß.
Er gab dieses Wissen weiter.
Die Meistermann-Fenster bewahren
Als die wertvollen Chorfenster schließlich restauriert werden mussten, übernahm Hey noch einmal eine ganz andere Verantwortung.
Das Presbyterium bestimmte ihn zum Sanierungsbeauftragten.
2020 mussten fünf Chorfenster ausgebaut und zur Restaurierung zur renommierten Glaswerkstatt Derix gebracht werden. Die Rahmen waren in die Jahre gekommen, Rost und Schäden machten eine umfassende Sanierung erforderlich.
Auch hier war Hey beteiligt.
Das passt zu seinem Wirken: Er erzählte nicht nur von der Geschichte der Feldkirche und ihrer Fenster.
Er half auch dabei, dieses Erbe für kommende Generationen zu erhalten.
Die Kirchengemeinde veröffentlichte später sogar eine eigene Erläuterung, in der Horst Schneider die Geschichte der Meistermann-Fenster und die Hintergründe der Vereinbarungen zwischen Pfarrer Keller und Georg Meistermann erklärte.
Bewahren und weitergeben
In dieses Bild passt auch seine Tätigkeit als Vorsitzender der Karl-Ernst-und-Monique-Keller-Stiftung.
Karl Ernst Keller hatte nach dem Zweiten Weltkrieg entscheidenden Anteil daran, Georg Meistermann für die Gestaltung der Fenster der Feldkirche zu gewinnen.
So begegnen sich bei Hey Schneider immer wieder dieselben Gedanken:
Geschichte kennen.
Verantwortung übernehmen.
Bewahren.
Und weitergeben.
Eine besondere Auszeichnung
Dass sein ehrenamtliches Engagement weit über einzelne Aufgaben hinausging, zeigt eine besondere Würdigung.
2005 wurde Horst-Dieter Schneider mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet.
Eine offizielle Mitteilung des Landes Rheinland-Pfalz dokumentiert die Verleihung des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland an Horst Dieter Schneider aus Neuwied.
Eine hohe staatliche Auszeichnung für außergewöhnliches bürgerschaftliches Engagement.
Und trotzdem erzählen vielleicht nicht Orden und Ämter am besten, was einen Menschen ausgemacht hat.
Im Nachruf der Kirchengemeinde wird Hey als ein Mensch voller Ideen, Tatkraft und Begeisterung beschrieben.
Wer sich über Jahrzehnte für andere engagiert, braucht wahrscheinlich von allem drei.
Am Ende schließt sich der Kreis
Und damit zurück zu seiner Beisetzung.
Nachdem Pfarrer Martin Lenz Taurat in seiner Trauerrede noch einmal an Hey und sein Leben erinnert hatte, begleiteten ihn Familie, Freunde, Weggefährten und Pfadfinder auf seinem letzten Weg.
Am Grab geschah etwas, das mir besonders in Erinnerung geblieben ist.
Die Menschen bildeten einen großen Kreis.
Dann wurde gemeinsam das Lied des Pfadfinderstammes gesungen.
Pfarrer Martin Lenz Taurat nahm die Gitarre und begleitete.
Es war ein stiller und gleichzeitig sehr gemeinschaftlicher Moment.
Und vielleicht hätte ein Abschied von einem Menschen, dessen Leben so stark von Gemeinschaft und gemeinsamem Unterwegssein geprägt war, kaum passender sein können.
Seine letzte Ruhestätte hat Horst-Dieter „Hey“ Schneider auf dem Friedhof an seiner Feldkirche gefunden.
Auch dieser Ort scheint zu seinem Leben zu passen.
In unmittelbarer Nähe der Kirche, in der er getauft und konfirmiert wurde.
Der Kirche, für die er später Verantwortung übernahm.
Der Kirche mit den Meistermann-Fenstern, deren Geschichte er so vielen Menschen näherbrachte und für deren Erhaltung er sich einsetzte.
So schließt sich tatsächlich ein Kreis.
Was bleibt?
Vielleicht lässt sich die Bedeutung eines langen ehrenamtlichen Lebens am besten daran erkennen, was weiterbesteht, wenn ein Mensch selbst nicht mehr da ist.
Die Feldkirche ist da.
Die Meistermann-Fenster leuchten weiter.
Der Pfadfinderstamm „Franz von Sickingen“ lebt weiter.
Kinder und Jugendliche erleben dort Gemeinschaft, so wie Generationen vor ihnen.
Und es gibt Menschen in Feldkirchen, die sich an Hey erinnern.
An seine Ideen.
An seine Tatkraft.
An seine Begeisterung.
Und an einen Menschen, der einen erheblichen Teil seines Lebens dafür eingesetzt hat, etwas an andere weiterzugeben.
Gut Pfad, Hey!
Horst-Dieter „Hey“ Schneider
10. November 1942 – 6. Mai 2026
Über „Feldkirchens Köpfe“
Was wäre Feldkirchen ohne die Menschen, die hier leben, arbeiten und sich für andere einsetzen?
Mit unserer Rubrik „Feldkirchens Köpfe“ möchten wir Menschen vorstellen, die unseren Stadtteil geprägt haben oder ihn heute prägen. Nicht nur bekannte Namen und öffentliche Ämter interessieren uns, sondern auch diejenigen, die oft im Hintergrund wirken: Ehrenamtliche, Nachbarn, Vereinsmenschen, Unternehmerinnen und Unternehmer, Kulturschaffende, Zeitzeugen – und Menschen mit einer besonderen Geschichte.
Denn die Geschichte eines Ortes besteht nicht nur aus Gebäuden, Straßen und Jahreszahlen.
Es sind vor allem die Menschen, die einen Ort zu dem machen, was er ist.





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