Interview mit Pfarrer Martin Lenz Taurat

Von: Jürgen Knees Interview mit Pfarrer Martin Lenz Taurat 1. Persönlicher Hintergrund Können Sie erzählen, wie Sie dazu gekommen sind, Pfarrer zu werden? Ich will es gerne versuchen! Für mich gibt es darauf eine kurze und eine lange Antwort. Die kurze: Nach dem Abitur hatte ich das tiefe Gefühl, Pfarrer werden zu sollen – ein…


Von: Jürgen Knees

Interview mit Pfarrer Martin Lenz Taurat

1. Persönlicher Hintergrund

Können Sie erzählen, wie Sie dazu gekommen sind, Pfarrer zu werden?

Ich will es gerne versuchen! Für mich gibt es darauf eine kurze und eine lange Antwort. Die kurze: Nach dem Abitur hatte ich das tiefe Gefühl, Pfarrer werden zu sollen – ein leises Wissen, das sich nicht vertreiben ließ.

Die lange: Im Theologiestudium kamen viele meiner Interessen zusammen. Ich bin begeistert von unserer europäischen Kultur- und Geistesgeschichte und davon, wie sie unser Leben prägt. Genauso fasziniert mich die christliche Hoffnung – und die Frage, was sie heute bedeutet: Was können wir hoffen? Und was folgt daraus für unser Handeln?

Einfach gesagt: Was bedeutet es für uns, dass vor über 2000 Jahren ein Kind am Rand der Gesellschaft geboren wurde – und Menschen in ihm Gottes Nähe gespürt haben?

Für mich gehören deshalb beide Antworten zusammen: das innere Gefühl und der Weg des Nachdenkens. Erst gemeinsam ergeben sie ein vollständiges Bild.

Gab es während Ihres Vikariats oder in Ihrer bisherigen Arbeit Momente, die Sie besonders geprägt haben?

Ich bin 2018 Vikar geworden – in der Kirchengemeinde Dierdorf. Als die Corona-Pandemie begann, war ich noch mitten in der Ausbildung. In dieser Zeit habe ich im Kirchenkreis den YouTube-Kanal „wiedevangelisch“ mit aufgebaut. Meine Erfahrungen aus einem früheren Let’s-Play-Kanal kamen dabei zugute: Wir konnten Menschen trotz Lockdown mit digitalen Gottesdiensten und Hoffnungsworten erreichen.

Auch mein Gemeindeprojekt war eine digitale Jugendgottesdienstreihe – sie wurde 2020 sogar mit einem innerkirchlichen Medienpreis ausgezeichnet. Einige dieser Videos sind bis heute online. (Link Video 1) (Link zur Playlist)

Was mich aber bis heute am meisten prägt, sind die persönlichen Begegnungen. Es macht mich immer noch demütig, mit welcher Selbstverständlichkeit Menschen einem Pfarrer begegnen. Das ist ein Gut, das ich gar nicht hoch genug schätzen kann. Zugleich macht es mir auch deutlich, wie viel der Kirche anvertraut ist.

Was bereitet Ihnen aktuell an Ihrer Arbeit die größte Freude?

Die größte Freude bereitet mir, dass ich Menschen ein Stück ihres Weges begleiten darf – in schönen Momenten wie bei einer Taufe oder Trauung genauso wie in Zeiten des Abschieds oder der Unsicherheit. Dabei ist mir wichtig, nie aus dem Blick zu verlieren, dass Gottes Liebe allen Menschen gilt – ohne Bedingungen.

Mein Alltag ist sehr vielfältig: Verwaltung, Gespräche, Weichenstellungen für die Zukunft unserer Gemeinde, ein offenes Ohr für das Gegenüber, zeitgemäße Gottesdienste, würdige Trauerfeiern – und das ist immer noch nur ein Ausschnitt. Diese Mischung macht meinen Beruf aus – und das Schöne ist: Die allermeisten Aufgaben mache ich wirklich gerne.

2. Gemeindearbeit & spirituelle Angebote

Sie bieten Angebote wie Meditation und Pilgerwanderungen an. Welche Wirkung beobachten Sie bei den Teilnehmer:innen?

Diese Ausrichtung meines Dienstes habe ich aus meiner Zeit im Haus der Stille in Rengsdorf mitgebracht. Meditation und Pilgern begegnen einer tiefen Sehnsucht vieler Menschen: „Wo ist mein Ort im Leben? Wohin bin ich unterwegs?“ – Fragen, die sich im Laufe des Lebens immer wieder verändern.

Das Schöne ist: Diese Formate ergänzen meinen normalen Pfarralltag – der ja vor allem aus Seelsorge, Gottesdiensten, Trauerbegleitung, Gesprächen und viel organisatorischer Verantwortung besteht. Sie öffnen Zugänge für Menschen, die mit klassischen Formen oft wenig anfangen können. Beim gemeinsamen Pilgern zum Beispiel kommen sehr unterschiedliche Menschen zusammen – einfach, weil es gut tut.

Der Meditationskreis „Die Mitte“, der einmal im Monat in Feldkirchen stattfindet, hilft vielen, zur Ruhe zu kommen und Gottes Gegenwart neu wahrzunehmen.

Ich erlebe, dass diese Angebote Menschen stärken. Und ich glaube, dass genau das einer unserer Aufträge ist: Weiterzugeben, was gut tut.

Gibt es Projekte, die Ihnen besonders am Herzen liegen und die vielleicht noch nicht so bekannt sind?

Da gibt es einige Projekte, die mir am Herzen liegen – über verschiedene Lebensphasen hinweg.

Für die ganz Kleinen gibt es den „Babypsalm“ unserer Kantorin Sabine Paganetti: eine Gruppe für Neugeborene und junge Eltern, in der gesummt, gesungen und geschaukelt wird. Eine erste, fröhliche Begegnung mit Musik und mit Kirche.

Dann denke ich an unser Team „Kirche mit Kindern“. Da der klassische Kindergottesdienst weniger nachgefragt wird, haben die Ehrenamtlichen ein neues Konzept entwickelt: zweimal im Monat Angebote – ein Kinderbibeltag am Samstag in Altwied und ein Kindergottesdienst an der Feldkirche am Sonntag. Ich bin sehr stolz darauf, wie engagiert das Team Verantwortung übernimmt.

Und ein Projekt, das ich selbst begleite, ist der Meditationskurs „Die Mitte“, der einmal im Monat stattfindet. Menschen kommen dort zusammen, um Gottes Gegenwart neu zu spüren.

All das zeigt mir: Kirche bleibt lebendig, wenn Menschen sich einbringen und Neues wagen.

Wie erleben Sie die Reaktionen unterschiedlicher Generationen auf diese Angebote?

Bei Veränderungen gibt es immer erst einmal Reibungsverluste. Sätze wie „Das war früher anders“ höre ich durchaus. Jede Veränderung kostet Kraft, besonders in einer Gemeinde mit starken Traditionen. Sich damit auseinanderzusetzen, gehört zu meinem Beruf.

Gleichzeitig erlebe ich die große Mehrheit – über alle Generationen hinweg – als sehr offen und interessiert. Viele freuen sich über neue Impulse und bringen sich aktiv ein.

Für mich ist das ein großes Geschenk: in einer lebendigen Gemeinde zu arbeiten, in der so viel Bereitschaft da ist, gemeinsam weiterzugehen.

3. Kultur & Kreativität

Sie beteiligen sich an musikalischen und kulturellen Veranstaltungen wie der ‚Friedhofsmusik‘ oder dem Konzert ‚Festlich durchs Kirchenjahr‘. Wie sehen Sie die Verbindung zwischen Kultur und Spiritualität?

Als Menschen erleben wir uns immer in bestimmten Umständen – mit unserer Geschichte, unserer Zeit, unseren Hoffnungen und Grenzen. Wie wir damit umgehen, drückt sich sehr unterschiedlich aus: Manche finden Halt in Erfolg und Leistung, andere in der Natur, wieder andere in Erfahrungen von Transzendenz.

Kultur und Spiritualität sind für mich zwei Ausdrucksformen derselben Suche. Ein Beethoven spricht vom „Elysium“ und sprengt in seiner Neunten Sinfonie musikalische Grenzen; der biblische Seher Johannes beschreibt in der Offenbarung den Himmel, der sich öffnet, und hört Gottes Stimme. Für mich als Pfarrer ist das theologisch nicht dasselbe – aber die Bewegung dahinter ist verwandt: Menschen versuchen Worte, Klänge oder Bilder zu finden für das, was sie innerlich berührt und trägt.

Deshalb sind kulturelle Veranstaltungen wie die Friedhofsmusik oder „Festlich durchs Kirchenjahr“ für mich nicht Beiwerk, sondern Teil unseres geistlichen Lebens. Kultur schafft Räume, in denen Menschen ins Schwingen und ins Staunen kommen – manchmal, ohne dass ein einziges Wort gesprochen werden muss.

Gibt es kreative Projekte, die Sie in Zukunft gerne umsetzen würden?

Im Moment denke ich weniger darüber nach, noch mehr neue Projekte zu starten, sondern darüber, wie wir gut und verantwortungsvoll arbeiten können. Wir befinden uns als Gemeinde gerade in einer Phase, in der wir uns personell und strukturell neu aufstellen. Da ist es wichtig, genau hinzuschauen: Was ist jetzt wirklich dran? Was können wir zuverlässig anbieten?

Die Impulse, die ich neu gesetzt habe, möchte ich fortführen. Im nächsten Jahr wird meine Arbeit oft eher im Hintergrund passieren: Als Gemeindeleitung müssen wir Weichen stellen und kluge Entscheidungen treffen, damit wir auch in Zukunft gute Arbeit leisten können.

Für mich ist dabei entscheidend: Es muss nicht immer „mehr, höher oder weiter“ sein, sondern das, was wir tun, möchte ich mit ganzem Herzen tun.

Menschen sollen spüren, dass Kirche für sie da ist – und dass wir aus Überzeugung handeln, nicht aus Aktionismus.

Welche Rolle spielt Kultur für Sie, um Menschen miteinander in Kontakt zu bringen?

Kultur ist für mich eine der natürlichsten Brücken zwischen Menschen. Sie setzt nicht voraus, dass jemand kirchlich geprägt ist oder bestimmte Überzeugungen teilt. Sie ist offen für Interpretation, offen fürs Denken, offen für die persönliche Suche.

Ein Gottesdienst, ein Gedicht oder ein Text, ein Bild oder ein Konzert — all das schafft sofort einen Raum, in dem Menschen einander und ihren Hoffnungen begegnen können. Kultur berührt oft etwas in uns, was wir nicht begründen müssen. Etwas kommt in uns zum Klingen, schenkt ein Echo, das an früheres erinnert oder neue Gedanken schenkt.

Für mich als Pfarrer ist das kostbar: Kultur öffnet Türen, durch die das Evangelium auf eine Weise hindurchscheinen kann, die nicht belehrend ist, sondern einladend. Sie lässt Menschen spüren, dass wir miteinander unterwegs sind.

4. Vision & Kirche in der modernen Welt

Wie sehen Sie die Rolle der Kirche in einer zunehmend digitalen und globalisierten Gesellschaft?

Wir leben heute in einer Welt, die digitaler und globaler ist als je zuvor. Ich empfinde das als große Chance. Menschen sind vernetzt, Informationen sind zugänglich, Grenzen werden durchlässiger.

Globalisierung ist dabei nichts Neues für die Kirche. Beim Pfingstfest hören Menschen aus vielen Ländern in ihrer eigenen Sprache von Gottes Liebe. Die Botschaft von Jesus Christus war nie auf einen Ort beschränkt, sondern immer eine Bewegung. Sie gilt über Länder, Kulturen und Zeiten hinweg.

Gleichzeitig bleibt der Auftrag der Kirche seit ihren Anfängen derselbe: von Gottes Liebe erzählen, Gottes Gegenwart feiern und aus dem Glauben heraus handeln als Dienst der Nächstenliebe.

Auch wenn sich die äußeren Bedingungen ständig verändern, die grundlegenden Bedürfnisse bleiben gleich. Menschen wollen geliebt werden und sich verstanden fühlen. Sie sehnen sich nach Gemeinschaft und nach einer Hoffnung, die über das rein Sichtbare hinausgeht. Und Einsamkeit ist trotz aller Vernetzung ein großes Thema unserer Zeit. Das Smartphone kann viel, aber es ersetzt keine echte Beziehung. Es ist ein Gerät, an dem wir für gewöhnlich allein sitzen.

Soziale Medien sind also oft Begegnungsorte für Vereinzelte. Das ist nicht anklagend gemeint – ich bin selbst gerne dort unterwegs. Aber die Begegnung von Angesicht zu Angesicht hat eine andere Qualität.

Kirche kann genau hier einen Unterschied machen. Sie steht dafür ein, dass jemand sagt:

„Ich sehe dich. Ich nehme dich ernst. Ich habe Zeit für dich.“

Wir hören zu, wir begleiten, wir hoffen mit – auch dann, wenn die Vernunft längst aufgeben möchte.

In einer digitalen und globalisierten Gesellschaft bleibt Kirche ein Ort echter Nähe. Und ich glaube, dass das wichtiger ist denn je.

Welche langfristigen Visionen haben Sie für Ihre Gemeinde?

Langfristige Visionen zu entwickeln ist in einer Zeit kirchlichen Umbruchs eine echte Herausforderung. Für meine Kirchengemeinde Feldkirchen-Altwied wünsche ich mir Beständigkeit in dem, was uns trägt. Wir können die Zukunft nicht vorhersagen, aber wir können Wege in eine gute Zukunft gestalten. Für mich bedeutet das, aufmerksam zu prüfen, welche Wege wir gehen wollen. Mit welchen Formaten erreicht unsere Botschaft die Menschen heute? Welche Gebäude benötigen wir dazu? Welche Ressourcen müssen wir sichern und welche neuen Kompetenzen vielleicht aufbauen?

Ich glaube, wir erleben gerade eine Zeit für kluge Fragen. Und gute Fragen eröffnen den Weg zu guten Entscheidungen. Das machen wir nicht allein, sondern als ein starkes Team und gemeinsam mit den Menschen der Gemeinde.

Meine Vision ist deshalb: Feldkirchen-Altwied soll zukunftsfähig bleiben. Eine Gemeinde, die offen bleibt, die zuhört, die sich bewegt — manchmal schneller, manchmal langsamer. Das gehört dazu. Wichtig ist, dass Menschen spüren: Hier ist ein Platz für dich. Du bist willkommen.

Wo möchten Sie neue Akzente setzen, um Menschen zu erreichen?

Ich denke in erster Linie vom Menschen her. Viele Menschen brauchen heute nicht zuerst ein neues Angebot, sondern jemanden, der zuhört, begleitet, unterstützt. Darum möchte ich unser Angebot in diesem Bereich weiter ausbauen.

Außerdem liegt mir die Verstärkung des Prädikantendienstes am Herzen. Wir haben engagierte Persönlichkeiten in der Gemeinde, die mit einer entsprechenden Ausbildung Gottesdienste gestalten und dort Verantwortung übernehmen können. Das bereichert die Vielfalt kirchlicher Stimmen.

Doch auch die Gebäude sind eine große Ressource – aber nur, wenn sie gut und klug genutzt werden. Deshalb stellen wir uns viele Fragen: Welche Orte sollten wir neu ausrichten? Ist das Konzept einer Pfarrdienstwohnung noch zeitgemäß oder hilft der Gemeinde eine Vermietung auf dem freien Wohnungsmarkt mehr? Das Pfarrhaus stellte früher die Erreichbarkeit des Pfarrers sicher. Wer mich heute erreichen möchte, ruft mich auf dem Handy an. Das ist auch deutlich kostengünstiger im Unterhalt.

Die sprichwörtlichen Steine sollen kein teurer Ballast sein, sondern ein gutes Fundament, auf dem wir in eine gute Zukunft gehen können.

5. Persönliche Einblicke / Überraschendes

Gibt es ein Buch, einen Film oder ein Erlebnis, das Sie besonders inspiriert hat?

Ich lese gerne und möchte bewusst etwas nennen, das man nicht als Erstes von einem Pfarrer erwarten würde: „1984“ von George Orwell. Das ist ein Buch, das mich besonders inspiriert hat. Die Beschreibung eines totalitären Systems, die Orwell 1948 als literarische Warnung entworfen hat, hat mich tief beeindruckt. Die Beklemmung, die ich dabei fühlte, entstand nicht in erster Linie durch körperliche Gewalt, auch wenn die ebenfalls vorkommt, sondern dadurch, wie subtil Macht ausgeübt wird: durch gezielte Sprachentwicklung, Information und Desinformation, durch Kontrolle.

Dieses Buch hat nicht nur eine bedrückende Aktualität in unserer Gesellschaft, es hat mir auch für meinen Beruf Entscheidendes gezeigt. Ich habe gelernt, Systeme grundlegend zu hinterfragen — gerade dann, wenn Macht sich fromm verkleidet. Wer kontrolliert Informationen? Wer beansprucht Deutungshoheit? Und wie ermöglichen wir Menschen echte Beteiligung?

Meine evangelische Landeskirche ist presbyterial und synodal organisiert. Das heißt, sie arbeitet demokratisch, gemeinsam, mit der Freiheit eines jeden Gewissens. Diese Grundhaltung ist mir wichtig: eine Glaubensgemeinschaft darf nie eine Macht sein, die über Menschen herrscht, sondern eine Kraft, die Menschen frei macht.

Wenn Sie eine Initiative außerhalb der Kirche starten könnten, was wäre das?

Wenn ich eine Initiative außerhalb der Kirche starten würde, dann wäre es etwas, das Menschen zusammenbringt, die sich im Alltag kaum begegnen. Eine Art „Zukunftswerkstatt“ für unser Dorf oder unsere Stadt – ein offener Raum, in dem ganz unterschiedliche Menschen miteinander ins Gespräch kommen und Ideen teilen können.

Ich stelle mir vor, wie dort Seniorinnen und Senioren mit Jugendlichen ins Gespräch kommen, Unternehmerinnen und Unternehmer mit Ehrenamtlichen, Menschen, die schon lange hier leben, mit Zugezogenen. Alle bringen ihre Sichtweisen mit und überlegen gemeinsam: Wie wollen wir hier miteinander leben? Was brauchen wir? Was können wir füreinander tun?

Solche Begegnungen bauen Brücken und stärken am Ende unsere Gesellschaft.

Was würden die Menschen überraschen, wenn sie mehr über Ihren Alltag oder Ihre Hobbys erfahren würden?

Vielleicht würde manche überraschen, dass ich ein großer Fan von Pen-&-Paper-Rollenspielen bin. Da sitzt eine Gruppe von Menschen um einen Tisch und erzählt sich gemeinsam eine Geschichte. Manchmal spielt sie in Fantasie-Welten oder im Weltraum. Das kommt auf das Spielsystem an.

Ich mag besonders, dass es ganz analog ist: ohne Strom, ohne Bildschirm – nur mit Würfeln, Papier und Fantasie. Und dass jede und jeder einen Charakter verkörpert, der ganz eigene Fähigkeiten mitbringt und zum Gelingen des Abenteuers beiträgt.

Wenn ich so darüber nachdenke: Das hat doch ziemlich viel mit Kirche zu tun.

Wie definieren Sie persönlich ‚spirituelle Erfüllung‘ und welche Rolle spielt Humor dabei?

Spirituelle Erfüllung ist für mich ein Moment des unbändigen Staunens. In der Bibel wird so ein Augenblick beschrieben: Die Jünger sind mit Jesus auf einem Berg, plötzlich reißt der Himmel auf. Sie sehen Jesus als göttliche Lichtgestalt und sogar die großen Propheten erscheinen. (Lukas 9,28-36) Und Petrus, völlig überwältigt, schlägt vor, dort drei Hütten zu bauen. Er will diesen Moment festhalten.

Ich erkenne mich in ihm wieder. Denn diese Zeiten von großer Gottesnähe gibt es. Kurz, hell überraschend. Sie lassen mich ahnen, dass da mehr ist als das, was wir sehen. Spirituelle Erfüllung gibt es nur als Ahnung, als kurze Lichtblitze auf dieser Welt. Und für die Zwischenzeiten – den Alltag mit seinen Höhen und Tiefen – ist es gut einen Rucksack voll Humor dabei zu haben. Denn der hilft mir, mich selbst nicht so wichtig zu nehmen. Das tut mir gut und manchmal auch den Menschen um mich herum.

6. Abschluss

Gibt es noch etwas, das Sie unseren Leser:innen von Treffpunkt Feldkirchen.de mit auf den Weg geben möchten?

Mit großen Schritten gehen wir auf das Weihnachtsfest zu. Ich wünsche allen Menschen, die dieses Interview lesen, einen kleinen Moment des Staunens. Vielleicht beim Weihnachtsgottesdienst, vielleicht bei der Feier mit der Familie, wenn die Kleinsten wieder ein Stück gewachsen und die Größten wieder ein Stück geschrumpft sind. Oder beim ersten Bissen des Weihnachtsessens, das jedes Jahr genau so schmeckt wie früher.

Ich wünsche Ihnen, dass Sie inmitten des Alltags etwas von diesem Licht spüren, das Gott in die Welt bringt. Und wenn Sie Lust haben, vorbeizuschauen — sei es in einem Gottesdienst, bei einer Veranstaltung oder einfach bei einem Gespräch zwischen Tür und Angel im Supermarkt, dann freue ich mich auf unsere Begegnung.

Dank für das Interview

Mein herzlicher Dank gilt Pfarrer Lenz Taurat für dieses offene, tiefgründige und äußerst bereichernde Gespräch.
Seine Worte und Erinnerungen verleihen dem Interview eine besondere Wärme und Authentizität.
Durch seine Bereitschaft, Einblicke in seine Erfahrungen und Perspektiven zu geben, hat er einen wertvollen Beitrag geleistet, der weit über das Gespräch hinaus nachwirkt.

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Eine Antwort zu „Interview mit Pfarrer Martin Lenz Taurat“

  1. Avatar von Nehren
    Nehren

    Sehr interessant !

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