Nur noch heute – dann ist das Fest der Feste vorbei

Warum es den 2. Weihnachtsfeiertag gibt und was dahintersteckt Heiligabend, der 1. Weihnachtsfeiertag – und dann noch ein weiterer Feiertag. Für viele ist der 2. Weihnachtsfeiertag vor allem eines: ein willkommener freier Tag. Ein Tag zum Durchatmen, zum Spazierengehen, zum Aufessen der Reste oder für den letzten Familienbesuch. Aber warum gibt es ihn eigentlich? Und…


Warum es den 2. Weihnachtsfeiertag gibt und was dahintersteckt

Heiligabend, der 1. Weihnachtsfeiertag – und dann noch ein weiterer Feiertag. Für viele ist der 2. Weihnachtsfeiertag vor allem eines: ein willkommener freier Tag. Ein Tag zum Durchatmen, zum Spazierengehen, zum Aufessen der Reste oder für den letzten Familienbesuch. Aber warum gibt es ihn eigentlich? Und was wird an diesem Tag ursprünglich gefeiert?

Der 26. Dezember ist der sogenannte Stephanstag, benannt nach dem heiligen Stephanus. Er gilt als der erste christliche Märtyrer. Der Überlieferung nach war Stephanus einer der frühen Diakone der christlichen Gemeinde in Jerusalem. Er bekannte sich offen zu seinem Glauben, predigte mutig – und zog damit den Zorn seiner Gegner auf sich. Schließlich wurde er gesteinigt. Sein Tod machte ihn zum Symbol für Standhaftigkeit, Mut und die Bereitschaft, für die eigene Überzeugung einzustehen, selbst unter größter Bedrohung.

In der katholischen Kirche steht am 2. Weihnachtsfeiertag genau dieser Aspekt im Mittelpunkt: das Gedenken an einen Menschen, der sein Leben für seinen Glauben gegeben hat. Dass dieses Gedenken direkt auf das Weihnachtsfest folgt, ist kein Zufall. Die Geburt Christi wird gefeiert – und unmittelbar danach wird daran erinnert, was diese Botschaft für Konsequenzen haben kann. Freude und Verfolgung, Hoffnung und Opfer liegen im christlichen Verständnis oft sehr nah beieinander.

Bild: Ruth Anne Knees 10.01.1928

In der evangelischen Tradition ist der Fokus etwas anders gesetzt. Hier steht am zweiten Feiertag weniger die Person des Stephanus im Vordergrund, sondern erneut die Menschwerdung Jesu. Weihnachten wird nicht als einzelner Höhepunkt verstanden, sondern als Fest mit mehreren Tagen, an denen Zeit bleibt, die Bedeutung dieses Ereignisses zu bedenken: Gott wird Mensch, kommt den Menschen nahe, teilt ihr Leben.

Interessant ist auch, dass der Stephanstag in vielen Ländern ganz eigene Traditionen hervorgebracht hat. In einigen Regionen war er früher ein Tag, an dem Knechte und Mägde den Hof wechseln durften, an dem Almosen verteilt oder Tiere gesegnet wurden. Spuren davon finden sich bis heute – etwa im „Stefaniritten“ in Teilen Österreichs oder in ländlichen Bräuchen, die an Fürsorge und Gemeinschaft erinnern.

Vielleicht ist der 2. Weihnachtsfeiertag gerade deshalb so wertvoll: Er ist weniger festlich inszeniert als Heiligabend und der 25. Dezember. Er lädt eher zur Ruhe ein, zum Nachdenken, zum Innehalten. Ein stillerer Abschluss eines großen Festes.

Heute endet für viele mit ihm endgültig die Weihnachtszeit. Morgen beginnt wieder der Alltag. Umso schöner ist es, diesen letzten Feiertag bewusst wahrzunehmen – als Erinnerung daran, dass Weihnachten mehr ist als Geschenke und gutes Essen. Es ist eine Geschichte von Hoffnung, Mut und Menschlichkeit. Und manchmal braucht es eben einen zweiten Feiertag, um das alles wirklich sacken zu lassen.


Eine Antwort zu „Nur noch heute – dann ist das Fest der Feste vorbei“

  1. Avatar von Jürgen Knees

    Weihnachten endet nicht am 26. Dezember

    Zu meinem Text zum 2. Weihnachtsfeiertag hat mir Pastor Willfrid Knees geschrieben. Ein schöner Gedanke: Für ihn reicht Weihnachten eigentlich viel weiter – mindestens bis zum 6. Januar, Epiphanias, besser noch bis Mariä Lichtmess am 2. Februar.

    Epiphanias bedeutet „Aufstrahlen“, „Aufleuchten“. Und tatsächlich stand in der frühen Christenheit nicht die Geburt Jesu im Mittelpunkt, sondern seine Taufe im Jordan. Der Moment, in dem sich der Himmel öffnet und Jesus hört: *„Du bist mein geliebter Sohn.“* Eine Erleuchtung, ein Anfang.

    In der koptischen und orthodoxen Tradition ist das bis heute spürbar. Johannes der Täufer steht dort hoch in Ehren – nicht nur als Wegbereiter, sondern fast als geistlicher Vater Jesu. Und auch heute noch gibt es Orte, an denen diese Zeit bewusst weitergeführt wird: etwa in der „Kirche der Stille“ in Hamburg, wo die Rauhnächte bis Epiphanias meditativ begangen werden.

    Vielleicht ist das tröstlich: Weihnachten ist kein Punkt im Kalender. Es ist eine Zeit. Und sie darf länger dauern.

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