„Lass dich rufen“

„Lass dich rufen“ Wie Marc Backes in Feldkirchen Menschen begleitet – und warum daraus vielleicht noch mehr entstehen könnte Bild: Elke Döbbeler Manche Menschen drängen sich nicht in den Vordergrund.Und gerade deshalb werden sie wichtig für eine Gemeinschaft. Marc Backes gehört zu diesen Menschen. Viele Feldkirchener kennen ihn aus der Kirchengemeinde, aus dem Bürgerverein Gönnersdorf,…


„Lass dich rufen“

Wie Marc Backes in Feldkirchen Menschen begleitet – und warum daraus vielleicht noch mehr entstehen könnte

Bild: Elke Döbbeler

Manche Menschen drängen sich nicht in den Vordergrund.
Und gerade deshalb werden sie wichtig für eine Gemeinschaft.

Marc Backes gehört zu diesen Menschen.

Viele Feldkirchener kennen ihn aus der Kirchengemeinde, aus dem Bürgerverein Gönnersdorf, aus der Kantorei oder vom wiederbelebten Kindergottesdienst an der Feldkirche. Seit einiger Zeit engagiert er sich zusätzlich im sozialen Dienst der evangelischen Kirchengemeinde Feldkirchen-Altwied und befindet sich derzeit in der Ausbildung zum Prädikanten.

Ausgangspunkt dieses Beitrags war ein Interview im Gemeindebrief der evangelischen Kirchengemeinde Feldkirchen-Altwied. Treffpunkt Feldkirchen hat das Thema aufgegriffen und um weiterführende Gedanken und Fragestellungen ergänzt.

Denn hinter Begriffen wie „Gemeindehelfer“ oder „sozialer Dienst“ verbirgt sich oft weit mehr, als viele zunächst vermuten.


Nähe und Zuhören werden immer wichtiger

Unsere Gesellschaft verändert sich.

Viele ältere Menschen leben heute länger selbstständig — gleichzeitig werden familiäre Netzwerke kleiner, Kinder wohnen weiter entfernt und der Alltag wird komplizierter.

Nicht selten entstehen Fragen wie:

  • Wer hilft bei Formularen und Behörden?
  • Wo bekomme ich Unterstützung bei Anträgen?
  • Was passiert, wenn ich plötzlich Hilfe brauche?
  • Wer erklärt verständlich Themen wie Vorsorgevollmacht oder Patientenverfügung?
  • An wen kann ich mich wenden, wenn Einsamkeit zum Problem wird?

Gerade ältere Menschen wünschen sich häufig keinen „großen Apparat“, sondern zunächst einmal einen Ansprechpartner vor Ort.

Jemanden, der zuhört.
Der vermittelt.
Oder einfach da ist.


Marc Backes: „Ich arbeite gern mit Menschen“

Marc Backes lebt seit 2009 mit seiner Familie in Feldkirchen. Der gelernte Bankkaufmann engagiert sich seit vielen Jahren in verschiedenen Bereichen des Gemeindelebens.

Im ursprünglichen Interview beschreibt er seine Aufgabe vor allem als Dienst am Menschen:

„Ich arbeite gern mit Menschen zusammen und freue mich, wenn ich etwas Gutes tun kann und für Menschen da sein kann.“

Dabei unterstützt er insbesondere ältere Menschen im Alltag, besucht sie zu Hause oder im Altenheim, begleitet zu Gottesdiensten oder Veranstaltungen und hilft bei organisatorischen Dingen.

Doch vielleicht steckt in diesem Ansatz noch deutlich mehr Potenzial.


Welche Unterstützung könnte künftig denkbar sein?

Gerade im Alltag älterer Menschen entstehen häufig Unsicherheiten, die über klassische Hilfeleistungen hinausgehen.

Natürlich kann und soll ein Gemeindehelfer keine Rechts- oder Rentenberatung ersetzen. Dennoch könnte eine lokale Plattform oder ein Netzwerk helfen, Orientierung zu geben und Menschen an professionelle Ansprechpartner zu vermitteln.

Denkbar wären beispielsweise Informationsveranstaltungen oder Themenabende zu Fragen wie:

  • Vorsorgevollmacht & Patientenverfügung
  • Testament & Nachlassregelung
  • Pflegegrade und Unterstützungsleistungen
  • Altersvorsorge und finanzielle Sicherheit
  • Hilfe bei Behördenangelegenheiten
  • Wohnen im Alter
  • Schutz vor Betrugsmaschen
  • Digitalisierung und Smartphone-Hilfe für Senioren
  • Unterstützung pflegender Angehöriger
  • Bewegung und Sturzprophylaxe

Gerade im vertrauten Umfeld einer Gemeinde oder eines lokalen Netzwerks fällt es vielen leichter, Fragen zu stellen.

Vielleicht wäre genau das eine Chance für Feldkirchen:
Menschen nicht erst dann zu erreichen, wenn Probleme eskalieren — sondern frühzeitig Orientierung anzubieten.


Könnten daraus gemeinsame Veranstaltungen entstehen?

In Feldkirchen gibt es bereits viele engagierte Menschen und Strukturen:

  • Kirchengemeinden,
  • Vereine,
  • soziale Initiativen,
  • medizinische Fachleute,
  • Rechtsanwälte,
  • Steuerberater,
  • Pflegeeinrichtungen,
  • Ehrenamtliche,
  • und lokale Plattformen wie treffpunkt-feldkirchen.de.

Warum also dieses Wissen nicht stärker zusammenbringen?

Vorstellbar wären kleine Informationsabende oder offene Gesprächsrunden mit professionellen Referenten — bewusst niedrigschwellig und persönlich.

Nicht als trockene Vorträge.
Sondern als echte Hilfe im Alltag.

Denn viele Menschen wissen oft gar nicht,

  • welche Möglichkeiten sie haben,
  • welche Unterstützung ihnen zusteht,
  • oder an wen sie sich wenden können.

Mehr als nur Kirche

Bemerkenswert ist auch der persönliche Weg von Marc Backes.

Im Gemeindebrief schildert er offen, dass er zunächst dachte, die Ausbildung zum Prädikanten sei eher etwas für jüngere Menschen. Erst nach Gesprächen und intensiverer Beschäftigung mit dem Thema entschied er sich bewusst dafür.

Gerade darin steckt vielleicht eine wichtige Botschaft:

Dass Engagement keine Frage des Alters ist.

Und dass Menschen auch später im Leben noch neue Aufgaben finden können, die Sinn stiften und Gemeinschaft stärken.


Feldkirchen hätte das Potenzial dazu

Vielleicht liegt genau darin eine große Chance für Orte wie Feldkirchen:

Nicht alles professionalisieren zu wollen — aber Menschen wieder stärker miteinander zu verbinden.

Ein Ansprechpartner vor Ort kann keine Wunder lösen.
Aber manchmal reicht schon jemand, der zuhört, vermittelt oder den ersten Schritt erleichtert.

In Zeiten zunehmender Anonymität könnte genau das wieder wichtiger werden.

Und vielleicht beschreibt der Satz aus dem ursprünglichen Interview deshalb sehr treffend, worum es eigentlich geht:

„Das Gesicht der Kirchengemeinde.“

Oder vielleicht sogar:
ein Gesicht gelebter Nachbarschaft in Feldkirchen.


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