Es war einmal … Wollendorf
Eine beeindruckende Zeitreise durch das Feldkirchen der Jahre 1960/61
Manchmal entstehen die wertvollsten historischen Dokumente nicht in Archiven oder Behörden, sondern aus persönlicher Erinnerung, Heimatverbundenheit und dem Wunsch, Vergangenes nicht in Vergessenheit geraten zu lassen.
Der gebürtige Wollendorfer Edgar Edel hat genau das getan.
Mit viel Engagement und Liebe zum Detail hat er ein außergewöhnliches Verzeichnis zusammengestellt, das einen faszinierenden Einblick in das damalige Wollendorf – einen Teil der ehemals selbständigen Gemeinde Feldkirchen – gibt. Grundlage ist der historische Stand der Jahre 1960/61.
Damals lebten rund 1.200 Einwohner in Wollendorf. Was heute vielen kaum noch bewusst ist: Der Ort verfügte über eine erstaunlich vielfältige Infrastruktur mit eigenen Vereinen, Gaststätten, Geschäften, Handwerksbetrieben, Landwirtschaft, Industrie und öffentlichen Einrichtungen.
Ein Dorf mit eigener Infrastruktur
Die Dokumentation zeigt eindrucksvoll, wie selbstständig und lebendig das damalige Gemeindeleben organisiert war.
Aufgeführt werden unter anderem:
- Rathaus und Gemeindeverwaltung
- Kirche mit Friedhof
- Evangelische Volksschule
- Kindergarten
- Freibad im Kehlbachtal
- Freiwillige Feuerwehr
- Sportplatz und Turnhalle
- Postamt
- Polizeiposten
- Arzt- und Zahnarztpraxis
- Apotheke
- Kino
- Raiffeisenkasse
Heute kaum vorstellbar: Viele Wege konnten direkt im Ort erledigt werden.
Vereine als Herzstück des Dorflebens
Auch das Vereinsleben war bemerkenswert vielfältig. Genannt werden unter anderem:
- die Märkerschaft mit Wurzeln bis ins Jahr 1494
- der Turnverein Feldkirchen
- der Sportverein Feldkirchen von 1910
- der Schwimmverein „Neptun Feldkirchen“
- Männergesangverein und Volkschor
- der Burschenverein von 1807 Wollendorf
Diese Vereine prägten über Generationen hinweg das gesellschaftliche Leben und sorgten für Gemeinschaft und Zusammenhalt.
Gaststätten, Handwerk und Einzelhandel
Besonders spannend ist die lange Liste der damaligen Gaststätten, Geschäfte und Gewerbebetriebe.
Von der Gaststätte „Zum Kehltal“ über den „Wollendorfer Hof“ bis zur Café-Konditorei Hunck entstand ein Bild eines Ortes, in dem sich das soziale Leben abspielte.
Hinzu kamen zahlreiche Handwerks- und Familienbetriebe:
- Schuhmacher
- Schneider
- Friseure
- Fotografen
- Schreinereien
- Schlossereien
- Gärtnereien
- Bäckereien
- Metzgereien
- Lebensmittelgeschäfte
- Baustoff- und Bauunternehmen
Viele dieser Namen dürften älteren Feldkirchenern noch bestens bekannt sein.
Feldkirchen im Wandel der Zeit
1966 erfolgte der freiwillige Zusammenschluss der Gemeinden Fahr, Gönnersdorf, Hüllenberg, Rockenfeld und Wollendorf zur neuen politischen Gemeinde Feldkirchen.
1971 kam schließlich die Eingemeindung in die Stadt Neuwied.
Edgar Edel schreibt dazu einen bemerkenswerten Satz:
„Wünschenswert deswegen, damit unsere Nachkommen und auch alle Neubürger erkennen können, was Feldkirchen verloren gegangen ist !!!“
Ein Satz, der nachdenklich macht – ohne die positive Entwicklung Feldkirchens in Frage zu stellen. Denn vieles hat sich verändert: Gebäude verschwanden, Betriebe schlossen, Strukturen wandelten sich. Gleichzeitig entstanden neue Wohngebiete und neue Formen des Zusammenlebens.
Ein wertvoller Beitrag zur Ortsgeschichte
Die Unterlagen von Edgar Edel sind weit mehr als eine einfache Liste alter Betriebe. Sie sind ein Stück gelebte Heimatgeschichte.
Sie erinnern daran, wie vielfältig, eigenständig und lebendig Feldkirchen einst organisiert war – und wie wichtig es ist, solche Erinnerungen zu bewahren.
Treffpunkt Feldkirchen bedankt sich herzlich bei Edgar Edel für die freundliche Überlassung dieser beeindruckenden historischen Dokumentation.
Vielleicht fühlen sich durch diesen Beitrag auch weitere Bürgerinnen und Bürger inspiriert, alte Fotos, Unterlagen oder Erinnerungen aus Feldkirchen zu teilen – bevor sie verloren gehen.
Denn Heimatgeschichte lebt davon, dass Menschen sie weitererzählen.




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