Die Feldkirche — einst und heute

Glaskunst in der Evangelischen Feldkirche Die Feldkirche – einst und heute Die Feldkirche hat in ihrer Substanz viele Jahrhunderte seit ihrer Errichtung überstanden. Zum Kirchspiel dieser Gemeinde gehören die ursprünglich selbständigen Dörfer Fahr, Gönnersdorf, Hüllenberg, Rodenbach, Wollendorf sowie die heute leider wüst gefallene Siedlung Rockenfeld. Zerstörung und Wiederaufbau Ein halbes Jahr vor dem Ende des…


Glaskunst in der Evangelischen Feldkirche

Die Feldkirche – einst und heute

Die Feldkirche hat in ihrer Substanz viele Jahrhunderte seit ihrer Errichtung überstanden. Zum Kirchspiel dieser Gemeinde gehören die ursprünglich selbständigen Dörfer Fahr, Gönnersdorf, Hüllenberg, Rodenbach, Wollendorf sowie die heute leider wüst gefallene Siedlung Rockenfeld.

Zerstörung und Wiederaufbau

Ein halbes Jahr vor dem Ende des Zweiten Weltkriegs, um die Weihnachtszeit 1944, zerschlug eine Fliegerbombe den Chor der Kirche, schleuderte Trümmer in das Langhaus und riss mit ungeheurer Wucht die Fenster aus ihren tiefen Maueröffnungen.

Niemand in der Kirchengemeinde wusste damals, wie es mit der Kirche weitergehen sollte. Doch bereits 1948 – im Jahr der Währungsreform – wurde das Dach repariert, eine behelfsmäßige Mauer mit einfach verglasten Fenstern errichtet und ein provisorischer Altar aufgestellt. Im selben Jahr trat Pfarrer Karl Keller sein Amt an.

LEAD Technologies Inc. V1.01

In den folgenden Jahren konnte, getragen vom großen Aufbauwillen der Gemeindemitglieder, ein planmäßiger Wiederaufbau beginnen. Mit Mut und Eifer machte man sich daran, das romanische Bauwerk in seiner alten Schönheit wieder erstehen zu lassen. Durch einen glücklichen Zufall fand man eine aus Schlesien stammende Bautruppe, die sich nach dem Krieg in Trier niedergelassen hatte. Diese Bauleute beherrschten noch die Kunst, romanische Gewölbebögen zu errichten.

Bereits 1952 erstrahlte die Feldkirche wieder in ihrer alten Würde und Schönheit.

Fachliche Begleitung und Entwürfe

Fachkundig unterstützt wurde Pfarrer Keller durch den Architekten und Bauforscher Hans Merian, der im Auftrag der Denkmalpflege Koblenz den Wiederaufbau betreute.

Im Juli 2018 fand Ralf Merian, Sohn von Hans Merian, in den Akten seines Vaters zwei Blätter, die er freundlicherweise für diese Publikation zur Verfügung stellte. Offenbar hatte sein Vater damals Entwürfe für die Kanzel und den Deckel des Taufbeckens geliefert.

Kanzelentwurf (1952)
Korpus aus getriebenem Kupfer, Geländer aus Schmiedeeisen, Boden und Stufen mit Schieferplatten belegt.

Taufdeckelentwurf (1952)
Romanischer Taufstein aus dem 12. Jahrhundert, ursprünglich aus einem Garten in Petershausen (Kreis Cochem).
Ausführung des Deckels: Weiske, Wiesbaden.

Die Entscheidung für moderne Glasfenster

Nachdem das Gotteshaus im romanischen Stil wiederaufgebaut war, standen die Verantwortlichen der Gemeinde vor einer wichtigen Entscheidung: der Verglasung der fast dreißig, sehr unterschiedlich großen Fensteröffnungen.

Licht und Farbe sollten dem Kirchenraum wieder Atmosphäre verleihen und ihn mit neuem Leben erfüllen. Dass man sich nicht für ornamentale oder figürliche Darstellungen entschied, sondern überwiegend abstrakten, ungegenständlichen Kompositionen den Vorzug gab, war außergewöhnlich mutig – für einen jahrhundertealten romanischen Kirchenbau ebenso wie für eine ländlich geprägte Gemeinde mit hohem Arbeiteranteil.

Gespräche zwischen Presbyterium, Pfarrer Keller und der Werkstatt Derix in Kaiserswerth führten schließlich zum Kontakt mit Professor Georg Meistermann aus Köln. Für ihn eröffnete sich hier erstmals die Möglichkeit, alle Fenster eines romanischen Gotteshauses als geschlossenen Zyklus zu gestalten.

Der Zyklus der Meistermann-Fenster

Die insgesamt 32 Glasfenster entstanden etappenweise über mehr als zwanzig Jahre.

  • 1950 wurden die ersten drei Fenster im Chor eingesetzt
  • 1972 folgten die letzten Fenster auf der Empore

Das größte Fenster misst 2,30 × 1,24 Meter, das kleinste lediglich 48 × 25 Zentimeter.

Die ersten Fenster im Chor und im Untergeschoss entstanden in Zusammenarbeit mit der Glaswerkstätte Derix. Alle weiteren Fenster wurden vom Glasmaler H. P. Gossel aus Schalkenmehren ausgeführt.

Pfarrer Karl Keller und die theologische Idee

Pfarrer Karl Keller hatte maßgeblichen Anteil an der gedanklichen Durchdringung der Fenster. In engem Austausch mit dem Künstler diskutierte er die theologischen Fragestellungen. Gerne erinnerte er sich an ein Gespräch mit Meistermann, in dem dieser sagte:

„Der Künstler muss hören können, und der Geistliche muss sehen können.“

Im Jahr 1972 notierte Pfarrer Keller im Lagerbuch der Gemeinde:

„Am 25. Mai alle Glasfenster auf der Empore von Meistermann eingelassen. Der Kirchenraum ist somit in einer Entwicklung von 20 Jahren mit Glasfenstern der Kunstrichtung ›geometrische Abstraktion‹ versehen worden.“

Es handele sich um den einmaligen Versuch, eine romanische Kirche vollständig mit Fenstern moderner Kunst auszustatten – Glasfenster mit theologischem Sinngehalt, geschaffen von Georg Meistermann (1911–1990), einem der bedeutendsten europäischen Kirchenfensterkünstler.

Wirkung und Vermächtnis

Fast dreißig Jahre wirkte Pfarrer Keller in der Feldkirche mit ihren neuen Fenstern. Die leuchtenden Farben gaben seinem Dienst einen würdigen Rahmen für Verkündigung und Gebet.

Die letzte große Etappe der baulichen Gestaltung fiel in die Amtszeit von Pfarrer Hans-Joachim Simon, der 1975 die Pfarrstelle übernahm. In den Jahren 1977 bis 1978 erfolgte die vollständige Restaurierung des Innenraums.

Die Evangelische Kirchengemeinde Feldkirchen kann stolz darauf sein, dieses jahrhundertealte Gotteshaus bewahrt zu haben. Mit den Meistermann-Fenstern ist eine seltene und glückliche Verbindung zwischen historischer Bausubstanz und modernem Glaubensverständnis gelungen.

Ein neuer Geist ist in die alten Mauern eingezogen –
Glasfenster als Andeutung und Hinweis auf die christlichen Geheimnisse.

Literaturhinweis

Georg Meistermann – Die Fenster der Feldkirche
Erhältlich im Gemeindebüro der Evangelischen Kirchengemeinde Feldkirchen,
56567 Neuwied-Feldkirchen.

Fotos der Glasfenster: Wilhelm Storek, Baden-Baden
(Für diese Internetpublikation in reduzierter Qualität)

Juli 2018 – Erich Walther, überarbeitet von Jürgen Knees Januar 2026


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert