„Wo sich Himmel und Erde berühren“: Abschied von Pfarrer Jörg Eckert
Nach 18 Jahren als Schulpfarrer am Werner-Heisenberg-Gymnasium wechselt Jörg Eckert in die Kirchengemeinde Bad Neuenahr. Bei seiner Verabschiedung in der Feldkirche wurde deutlich, wie viele Menschen er in dieser Zeit begleitet hat – in der Schule, in der Gemeinde und weit darüber hinaus.
Am Donnerstagabend, 24. September 2026, kamen Kolleginnen und Kollegen, Freunde, Familien sowie Kinder und Jugendliche in der Feldkirche zusammen. Kreiskantor Simon Schumacher und Björn Shabanagha gestalteten die Andacht musikalisch. Später blieb im Gemeindehaus Zeit für Gespräche und gemeinsame Erinnerungen.
Viele Stimmen, ein gemeinsamer Gedanke
Superintendent Detlef Kowalski ließ erkennen, dass er Jörg Eckert nur ungern ziehen lässt. Gerade jetzt würden dessen Erfahrung, Engagement und Verlässlichkeit fehlen. Als „Bruder im Geist“ könne er Eckerts Wunsch nach Veränderung und seinen Schritt in die Gemeindeseelsorge zugleich gut verstehen.

Jörg Eckert mit Superintendent Detlef Kowalski. Das Foto wurde mithilfe von KI bearbeitet
Auch aus der Schule kamen persönliche Worte. Dorothea Martin, Eckerts katholische Kollegin am Werner-Heisenberg-Gymnasium, beschrieb ihn als beliebten Kollegen und geschätzten Gesprächspartner. Augenzwinkernd sagte sie, er sei „katholischer, als man denkt“. Unterschiedliche Meinungen hätten ihrem guten Miteinander nie im Weg gestanden. Zum Abschied gab sie ihm ein „Adieu“ mit auf den Weg.
Tim Dunker vom Schulelternbeirat erinnerte daran, wie wichtig Eckert als Vertrauensperson für die Schülerinnen und Schüler war.
Für die Stadt Neuwied sprach Beigeordneter Ralf Seemann. Er überbrachte den Dank von Oberbürgermeister Jan Einig und würdigte Eckerts Einsatz für junge Menschen. Er habe ihnen Toleranz vermittelt und sie ermutigt, diese Haltung weiterzutragen. Jörg Eckert habe in Neuwied Spuren hinterlassen.
Die Spülmaschine und über 30 Freizeiten
Wie Eckert Gemeinschaft gelebt hat, zeigte eine Erinnerung von Christina Spang. Eigentlich hatte sie gar nicht mit zur Kinder- und Jugendfreizeit nach Dreifelden fahren wollen. Ihre Mutter überredete sie schließlich. Als sie dort erlebte, dass sich der Pfarrer auch fürs Ausräumen der Spülmaschine nicht zu schade war, war die Sache für sie „gebongt“.
Aus diesem Anfang wurden mehr als 30 gemeinsame Freizeiten an der Westerwälder Seenplatte.
Elvira Ewald, Vorsitzende des Presbyteriums Feldkirchen-Altwied, dankte Eckert für seine jahrelange ehrenamtliche Unterstützung. Als beratendes Mitglied habe er die Gemeinde begleitet und selbst bei schwierigen Fragen beharrlich nach Lösungen gesucht.

Jörg Eckert mit Superintendent Detlef Kowalski und Elvira Ewald, Vorsitzende des Presbyteriums in der Feldkirche. Das Foto wurde mithilfe von KI bearbeitet.
Sung Kim, Pfarrer in Bad Neuenahr, sprach von seiner Freude über die kollegiale Freundschaft, die zwischen ihnen entstanden ist. Sie bildet eine Verbindung zu Eckerts neuer Aufgabe.
Lehrer – und immer Pfarrer
„Pfarrersein ist für mich eine Berufung, und ich kann mir keinen anderen Beruf vorstellen“, sagt Jörg Eckert.
Am Werner-Heisenberg-Gymnasium unterrichtete er Religion, engagierte sich als Verbindungslehrer für die Schülervertretung und war Ansprechpartner in schwierigen Lebenssituationen. Unterricht und Seelsorge gehörten für ihn zusammen.
In seiner Abschiedspredigt erinnerte er an eine Schülerin der fünften Klasse, die bei einem Verkehrsunfall ums Leben gekommen war. Die gemeinsame Trauerfeier mit ihrer Familie und vielen Schülerinnen und Schülern habe er nie vergessen.
Auch die kleinen Begegnungen blieben in Erinnerung. Ein Schüler schrieb ihm zum Abschied, Eckert habe ihn zum Lachen und zum Nachdenken gebracht – und ihm vor allem das Gefühl gegeben, gesehen zu werden.
Gemeinde entsteht, wo Menschen zusammen kommen
Neben seiner Arbeit an der Schule engagierte sich Eckert 18 Jahre lang in Feldkirchen-Altwied: bei Kindergottesdiensten, Taufen, Trauungen und Beerdigungen, bei der Kinderweihnacht und auf den Freizeiten in Dreifelden.










Nach der Predigt nutzten viele Gäste die Gelegenheit, bei Sekt, anderen Getränken und Fingerfood miteinander ins Gespräch zu kommen.
Besonders am Herzen lag ihm das Krippenspiel in der Feldkirche. Als Weihnachten 2020 Gottesdienste nur unter besonderen Bedingungen möglich waren, stand für ihn fest: „Weihnachten darf nicht ausfallen.“ Am 23. Dezember fanden deshalb drei Gottesdienste vor der Kirche statt. Die Orgel spielte „O du fröhliche“ aus der leeren Feldkirche hinaus.
Auch eine Taufe an der Christianshütte und die Taufe dreier Konfirmanden in der Ruine der Kreuzkirche in Melsbach gehören zu seinen Erinnerungen. Für Eckert ist Gottesdienst nicht an ein Gebäude gebunden. Entscheidend sind die Menschen, die zusammenkommen.
„Das Wesentliche ist die Gemeinschaft beim Essen, Spielen, Singen, Beten und Lachen – dann berühren sich Himmel und Erde“, sagt er über die Freizeiten mit Kindern und Jugendlichen.
Im Oktober wird er noch einmal mit 28 Jugendlichen und einem Team aus acht jungen Erwachsenen nach Dreifelden fahren.
Ein neuer Platz in der Mannschaft
In Bad Neuenahr möchte Eckert mit seinem jungen Pfarrkollegen, einer Prädikantin, Mitarbeitenden und Ehrenamtlichen zusammenarbeiten. Seine Rolle beschreibt er so:
„Ich verstehe mich als Pfarrer nicht als Kapitän des Gemeindeschiffes, sondern als Teil der Mannschaft.“
Pläne gibt es bereits: eine Studienfahrt nach Stockholm, Krippenspiele an Grundschulen im Ahrtal und das Projekt „SingenPlus mit Kindern“. Dahinter steht derselbe Gedanke, der seine Arbeit in Feldkirchen geprägt hat: Menschen zusammenbringen und Beziehungen wachsen lassen.
Diese Beziehungen enden auch für ihn nicht mit dem Stellenwechsel. Seine Familie und er werden zunächst weiterhin in Feldkirchen wohnen. Und als ihn eine junge Frau, die er einst im Kindergottesdienst kennengelernt hatte, fragte, ob er sie 2027 in der Feldkirche trauen würde, sagte er Ja.
Was bleibt
Seine Abschiedspredigt stellte Eckert unter den Choral „Wer nur den lieben Gott lässt walten“. Er erinnerte an Begegnungen im Unterricht, Gespräche am Lehrertisch, gemeinsame Gottesdienste und Freizeiten.
„Erinnerung ist der Schlüssel zur Dankbarkeit“, sagte er.
Nach der Andacht gingen die Gespräche im Gemeindehaus weiter. In ihnen zeigte sich, was an diesem Abend viele Grußworte beschrieben hatten: Jörg Eckert hinterlässt in Feldkirchen keine leere Stelle. Er hinterlässt Spuren – in der Gemeinde, in der Schule und bei den Menschen, die ihm begegnet sind.
„Alles hat seine Zeit. Es ist Zeit, Abschied zu nehmen. Das tut weh und ist schön.“




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